KEIN RECHT AUF DIVERSITÄT?

LEBENSZEICHEN- Gesellschaft für bedrohte Völker Österreich befürchtet katastrophale Folgen für das Weltklima und einen kulturellen Völkermord der in der Region lebenden indigenen Gemeinschaften. Hauptursache der Vernichtung des Amazonaswaldes ist die Fleischproduktion. Rund 70 Prozent des vernichteten Tropenwaldes wurden für Viehweiden gerodet, ein Großteil des Restes für den Futtermittelanbau.

Die Waldbewohner verlieren nicht nur ihre Heimat, sondern auch deren Lebensweisen stehen nun am Spiel. Indigene Völker stehen immer schon an vorderster Front dieses Kampfes um den Regenwald. Nun steht der Amazonas kurz vor dem kompletten Kollaps durch eine unaufhaltsam scheinende Industrialisierung des Amazonasgebietes. Wer sich gegen die Industrielobbys wehrt, riskiert sein Leben. Ganz klar werden hier wirtschaftliche Interessen über das Wohl der Menschheit gestellt. Wenn sie ihr zu Hause verlieren, droht nicht nur der Verlust ganzer Kulturen und Lebensweisen, sondern es gefährdet die Zukunft unseres Planeten.

„Schaut euch an, was sie mit unserem Reservat gemacht haben!“ sagte eine brasilianischen PataxóIndianerin in einem Video, das sich in den Online-Medien schnell verbreitete. Sie wirft Kleinbauern vor das Feuer gelegt zu haben, um neue Weideflächen für Vieh zu schaffen. Seit Monaten kämpfen die Indios gegen die Zerstörung des Amazonas unter der Regierung Bolsanaros. Der Präsident betrachtet den Regenwald als wirtschaftlich ungenutztes Potenzial. Zuletzt hatten Großgrundbesitzer und Farmer im Südwesten des Bundesstaates Pará einen «Tag des Feuers» ausgerufen und in einer koordinierten Aktion große Flächen in Brand gesteckt. «Wir wollen dem Präsidenten zeigen, dass wir arbeiten wollen», zitiert die Lokalzeitung «Folha do Progresso» einen der Organisatoren.

Brasilien ist der flächenmäßig fünftgrößte Staat der Erde und auch das größte und mit über 200 Millionen Einwohnern auch das bevölkerungsreichste Land Südamerikas. Ganz klar befindet sich Brasilien in einer schwierigen Situation. Die ständig steigende Mordrate belastet nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Wirtschaft des Landes. Die brasilianische Bevölkerung drängt auf eine Verbesserung der Lage in dem von Korruption geprägten Land. Bolsonaro setzt sich daher für die Erschließung der indigenen Territorien ein, was bisher ohne die ausdrückliche Zustimmung der Ureinwohner verboten ist. Seit 1988 haben Indigene das Recht auf uneingeschränkte Ländereien. Sie besitzen nicht nur das Recht auf ihre eigenständige Lebensweise, sondern es ist auch nach brasilianischem Recht illegal jegliche Privatisierung oder Veräußerung in die Wege zu leiten.

Download von www.picturedesk.com am 27.08.2019 (13:53).

Amazonas-Stammeshäuptlinge Raoni Metuktire (links) und Megaron T. (rechts) c APA

ZUVIEL LAND FÜR WENIGE „INDIANER“?

Leider wird auch im Zuge der Brände wenig über das Schicksal der indigenen Gemeinschaften Brasiliens berichtet. Unter der derzeitigen Regierung haben sie keine wirksame Lobby, weswegen internationaler Druck wichtig ist. Indigene Völker und ethnische Minderheiten sind in Brasilien stets Diskriminierung ausgesetzt. Rassismus und Klassenunterschiede sind in den Gedanken der Mehrheitsbevölkerung tief verwurzelt. Daher bestehen Interessen, die „Menschen im Busch“ auch aktiv aus dem Weg zu schaffen. Trotzdem haben sie aber Anspruch auf 13% der Landfläche Brasiliens. Dies ist der große Streitpunkt zwischen konservativen Kräften und Indigenen.

Was an den sogenannten „fronteras“, den Grenzen der Territorien, passiert, ist ein Voranschreiten exzessiver Gewalt gegen die Natur, aber auch gegen die Menschen die dort leben. Sie sind bedrohter denn je! Die oft sehr gewaltsamen Auseinandersetzungen nehmen in letzter Zeit zu. In einer ersten Phase kommt es vor allem zu einem Eindringen von Holzfällern. Diese Stoßtrupps gehen sehr gewaltsam vor! Indigene Anführer werden ermordet und politische Aktivisten müssen um ihr Leben bangen.

Das Amazonasbecken mit fast 7,9 Mio. km² ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der Welt. Zum Vergleich: Europa mit seinen 27 Mitgliedsstaaten umfasst gerade mal eine Fläche von 4,3 Mio. km². Das gewaltige Flusssystem des Amazonas umfasst neun Länder: Brasilien, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guyana, Suriname und Französisch-Guyana. Amazonien ist die Heimat von über 450 unterschiedlichen Völkern. Sie haben alle einen tiefen Respekt vor dem Wald.

Ein altes Ziel der brasilianischen Indigenenpolitik ist die Assimilation der indigenen Lebensweise. Diese gilt es zu überwinden und die Menschen „aus dem Wald“ zu holen. Diese Vorgänge finden in vielfacher Weise statt. Eine zunehmende Migration in die Städte ist im vollen Gange. Immer mehr sehen sich selbst nicht mehr als Indios, sondern als Arme. Die Indigenen sind meist vom materiellen Wohlstand der brasilianischen Gesellschaft ausgeschlossen. Da der Druck auf die Landflächen der indigenen Bevölkerung steigt, ist auch die Nahrungsbeschaffung mit traditionellen Methoden immer schwieriger und es herrscht schlicht und einfach ein chronischer Nahrungsmangel, weswegen man mittlerweile in die nächste Stadt in den Supermarkt einkaufen gehen muss. All dies sind Entfremdungsprozesse; die kulturelle Diversität zu bewahren wird immer schwieriger. Deswegen sprechen wir hier von einem schleichenden Völkermord. Es besteht allerdings immer die Gefahr, die Indigenen dazu zu verurteilen, „dort zu bleiben wo sie sind“. Das ist nicht weniger problematisch als ihnen vorzuschreiben, sie hätten sich gefälligst anzupassen. Aber es finden Prozesse statt, in der man das Wissen, wie man mit diesen „lebendigen Logiken“ der Waldumwelt Amazoniens umgeht, verliert.

AUCH IM EUROPÄISCHEN HANDEL ERHÄLTLICH!

Denn zur Errichtung einer Freihandelszone verhandelt die EU seit 1999 mit den sogenannten Mercosur-Staaten über ein Assoziierungsabkommen. Am 28. Juni 2019 kam es zu einer Einigung über den Abkommenstext. Seither wird laut Wirtschaftskammer Österreich erwartet, dass sich weitere Möglichkeiten für die wettbewerbsfähigsten Sektoren der EU erschließen. Durch den Wegfall der Zölle und den Abbau der nicht-tarifären Handelshemmnisse soll der Mercosur zu einem der Top-Märkte für z.B. Milchprodukte, verarbeitete Lebensmittel und alle Arten von Schweinefleischprodukten werden. Nun wird auch schon von einzlenen EU-Staaten ein Stopp des Abkommens gefordert. Ein guter Tipp, um „Regenwald-Fleisch“ zu vermeiden: Kauf am besten soviel wie möglich regional ein oder verzichte einfach ganz auf Fleisch!