Die stillen Kriegerinnen des Amazonas

Für die indigenen Gruppen Brasiliens stellt der Wald mehr als nur ein Lebensraum dar- er ist Teil ihrer selbst. Die Menschen sehen sich nicht als Bewohner/innen des Waldes, sondern als eine Einheit mit ihm. Heutzutage aber müssen sie den Wald mehr denn je gegen Invasion und Ausbeutung verteidigen. Dies trifft auch auf die Kambeba zu, die Peru und das brasilianische Amazonasgebiet besiedeln.

Der Name Kambeba bedeutet übersetzt „Menschen des Wassers”. Wasser, Erde und andere natürliche Elemente besitzen in der Kosmologie der Kambeba eine Seele. Darum wird der Amazonasregenwald nicht nur als Lebewesen, sondern auch als heilig erachtet. Das Wissen über den Wald geht mit Respekt und Wertschätzung für die Natur einher. Von klein auf lernen die Kinder, Sorge um das Wohlergehen von Flora und Fauna zu tragen. Stellen Sie sich beispielsweise das Bild einer Mutter vor, die an der einen Brust ihr eigenes menschliches Kind und an der anderen ein Tierkind säugt, etwa einen kleinen Affen, der seine Mutter verloren hat. Für Kambeba ist dies ein vertrauter Anblick, da sie die Natur und alle ihre Lebewesen als Teil der Familie, als Mutter, Bruder und Schwester betrachten.

Wieder Krieger des Amazonas

Aufgrund der Erfahrung von Diskrimination und Gewalt verheimlichten die Kambeba seit Mitte des 18. Jahrhunderts ihre Zugehörigkeit. Erst die Entstehung einer indigenen politischen Bewegung in den 80ern und die Verankerung indigener Rechte in der brasilianischen Verfassung von 1988 ermutigte die Kambeba dazu, sich als indigene Gruppe zu behaupten und für ihre Rechte einzustehen. Auch von Lebenszeichen werden sie dabei unterstützt.

Die Projekte, die Lebenszeichen fördert, werden vor Ort unter anderem von der Aktivistin, Geographin und Poetin Marcia Wayna Kambeba betreut. Marcia wuchs in einem Dorf im Amazonas auf und lebt nun in der Stadt Belém im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará. Das Zitat auf dieser Seite stammt aus ihrem Gedicht ,,Stiller Krieger“, in dem sie betont, dass es im Interesse ganz Brasiliens steht, den Regenwald als Lebensquelle zu erhalten.

„Wir sollten schweigen, um im Herzen die Stimme der Natur zu hören, das Klagen unserer Erde.”

Marcia Wayna Kambeba

Göttlicher Beistand beim Schutz der Natur

Ähnlich wie bei anderen indigenen Gruppen des Amazonasgebietes ist den Kambeba die Göttin Iara bekannt, die als Mutter aller Gewässer betrachtet wird. Iara ist es auch, die für die Verteidigung der Flüsse gegen die Invasion durch „schlechte Menschen und Geister“ verantwortlich ist. Die Göttin steht heute vor einer immensen Aufgabe, da der Regenwald mitsamt seinen Flüssen von Landraub, illegaler Abholzung, der Verseuchung von Böden und Gewässern und kommerzieller Ausbeutung bedroht ist.

Der Umsicht und Pflege, mit der Indigene für den Erhalt der Biodiversität des Amazonas sorgen, steht das Profitstreben der Landwirtschaftslobby gegenüber. Vorangetrieben wird die kommerzielle Ausbeutung des geschützten Amazonasgebietes durch die Regierung unter dem Präsidenten Jair Bolsonaro, deren Gesetzesvorhaben auf die Förderung von Abholzung und unrechtmäßiger Besetzung von indigenem Land abzielen.

Die Quelle des Lebens verteidigen

Das Vorhaben, wirtschaftliches Wachstum um jeden Preis voranzutreiben, fördert nicht nur Kahlschläge auf der Amazonasfläche, sondern bringt auch Hass gegen Indigene hervor, die ihre Gebiete zu schützen suchen. Ihnen steht das für sie ausgewiesene Land rechtlich zu. Nun werden sie jedoch als Eindringlinge im eigenen Land behandelt.

Um ihre Rechte zu verteidigen, arbeiten die Kambeba mit anderen indigenen Gruppen sowie staatlichen, nichtstaatlichen und religiösen Instanzen zusammen. Ziel ist es, auf die die dramatischen sozialen und ökologischen Folgen der Rodungen aufmerksam zu machen sowie Unterstützung auf lokaler Ebene und weltweit zu erhalten. Wichtig dabei sind vor allem die Frauen der Gemeinschaft, da sie sich maßgebend an dem Erhalt von bedrohtem Wissen über den Wald beteiligen.