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Blumenmenschen- so nennen sich die indigenen Mentawai, die Hibiskusblüten schmuckvoll hinter das Ohr gesteckt tragen. Diese leben vor allem auf der Insel Siberut, die westlich des indonesischen Bundesstaates Sumatra liegt. Der Regenwald bietet alles, was sie zum Leben brauchen: Sie sammeln wilden Sago, der aus dem Mark der Sago-Palme gewonnen wird, züchten Bananen, halten Schweine und Hühner sowie Hunde, von denen sie bei der Jagd unterstützt werden.

Nur noch eine Handvoll Mentawai leben heute nach Art der Vorfahren im Herzen des Dschungels. Viele Junge ziehen in die Stadt, um zur Schule und zur Universität zu gehen; oft folgen ihnen die Eltern nach. Denn wer die Angehörigen der letzten Generation von Blumenmenschen persönlich besuchen möchte, muss einen mehrstündigen Fußmarsch durch den Regenwald auf sich nehmen.

Die im Urwald lebenden Mentawai sind sich bewusst, dass ihre Tage gezählt sind, halten jedoch an ihren Traditionen fest. „Dies ist die einzige Art zu leben, die ich kenne und ich würde nicht anders leben wollen”, sagt der Schamane Kuki. Zusammen mit den Kindern singt er abends schamanische Lieder und bringt den Interessierten die Traditionen der Vorfahren näher. Selbst wenn sie später nur ein paar Erinnerungen an die Gewohnheiten der Eltern und Großeltern bewahren, ist dies schon viel wert.

Tätowierungen, Perlen und Hibiskus für die Seele

Die Schamanen sind die tragende Säule der Kultur der Blumenmenschen. Sie kümmern sich um Kranke und nutzen Gesänge, um mit Geistern in rituellen Kontakt zu treten. Bei den Mentawai sind alle Elemente der Natur beseelt. Funktioniert das Zusammenspiel zwischen Menschen und ihrer Umwelt, geht es auch den Seelen gut. Dieses Gleichgewicht wird von der Sorge um das Äußere begünstigt: Mit prachtvollem Perlenschmuck, Hibiskusblüten und aufwendigen Tattoos kann die Geisterwelt beeindruckt werden.

Auch der Körper des Schamanen Kuki ist mit Tätowierungen bedeckt. Diese erfüllen die Funktion eines Personalausweises, da sie Aufschluss über Familienstand, Herkunft und vergangene Erfolge geben. „Die Tattoos sind wie Kleidungsstücke, ohne sie wären wir nackt”, so der Schamane. Bei den Mentawai machen sprichwörtlich also nicht Kleider, sondern Tätowierungen Leute.

Das Waldeswissen weitergeben

Neben den Tätowierungen tragen die Blumenmenschen traditionell einen Lendenschurz, der aus Baumrinde hergestellt wird. Diese wird so lange weichgeklopft, bis Stoff entsteht. Neben der Rinde bietet der tropische Regenwald eine Fülle an Ressourcen zum Jagen, Fischen und Sammeln. „Schaut, wie schön mein Garten ist”, sagt Kuki zufrieden und stolz, „das alles ist eine Speisekammer für uns, unsere Kinder und Enkelkinder.” Er und seine Altersgenoss/innen kennen den Wald in- und auswendig. Eine besonders große Freude ist es deshalb für den Schamanen, wenn er seinen Erfahrungsschatz auch an Jüngere weitergeben kann.

In den Städten gibt es Initiativen von jungen Leuten, um die Kenntnisse und Traditionen der Blumenmenschen zu bewahren. Radioprogramme und Zeitungen sollen dazu dienen, die Kultur der Mentawai einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Moderne Medien werden so zur Brücke zwischen den letzten im Dschungel Indonesiens lebenden Blumenmenschen und den in die Städte gezogenen Nachfahren.

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CREDIT: Nicos Hadjicostis Co-produziert mit Bamboo Leaf Press.

Mentawai präparieren Pfeilspitzen mit dem lähmenden Gift Curare vor der Jagd. Im Wald finden sie die dafür notwendigen Wurzeln, Pfefferkörner und Blätter. Die genaue Zusammensetzung der Zutaten ist nur den Schamanen bekannt. Mit dem Gift ist äußerste Vorsicht geboten, da es bei Aufnahme über die Blutbahn den sofortigen Tod herbeiführt. Curare wirkt aber nicht über den Verdauungstrakt. Der Genuss der mit dem Pfeilgift erlegten Beute ist daher ungefährlich.